Slettirs Blog

Ich heiße Slettir vom Hochwaldhof, Islandpferd, Farbe isabell, geboren am 24.05.2002 im Rheinland. Zusammen mit meinem Cousin und Kumpel Fákur vom Hochwaldhof wohne ich seit 2008 im Aktivstall Raitschin. Zusammen mit meinen pferdigen Freunden und auch meinen Menschen Sabine und Andreas Barnickel wird das Leben nicht so schnell langweilig. Hier darf ich über meine/unsere Erlebnisse berichten.  

Euch wünsche ich viel Spaß beim Lesen! 

 


11. September 2014, 12:49

Frauchens Held

Oh je, Frauchen ist schon wieder im Anmarsch. Ich tue einfach mal so, als würde ich sie nicht bemerken und konzentriere mich auf ein Vögelchen, das auf der Straße herumhüpft. Wenn das wieder so etwas wie gestern wird …

Schon als Frauchen diese Tasche am Sattel befestigt und Herrchen die Halfter einpackt, weiß ich, dass etwas anders ist als sonst. Wir marschieren dann auch in eine andere Richtung los als gewöhnlich. Bergauf, bergab, wieder bergauf und wieder bergab, vorbei an ein paar Artgenossen, die wir flüchtig kennen (Evis Isis, wie Frauchen sagt). Da durchqueren wir auch das erste Dorf. Kurz darauf kommt das nächste Dorf. Wir erschrecken ein Huhn auf der Straße, das laut gackernd nicht mehr weiß, wo es nach Hause geht.

Fákur schickt mich voraus.

An einem Haus im Wald sagt Frauchen, dass da die nette Tierärztin wohnt, die mir mal die Augen untersucht hat. Aha. Auf dem Feldweg schrecken wir Mäuse auf.
Nach der Unterführung frage ich Fákur, ob er nicht doch vorausgehen will, aber er hat keine Lust. Es herrscht reger Traktorverkehr.
Und schon wieder ein Dorf. Diese Menschensiedlungen sind immer so furchtbar aufregend. Man weiß nie, was hinter der nächsten Ecke lauert, z.​B. Trolle, oder ob man nicht vom nächsten sogenannten Gullideckel verschluckt wird. Ich bin immer froh, wenn wir wieder übers Land marschieren.

Endlich machen wir Pause und wir dürfen Gras fressen und Wassereimer umschmeißen.

Weiter geht es. Wir begegnen herrenlosen Fahrrädern. Eines davon mit Kutsche hintendran. Komisch. Dann geht es schon wieder durch eine Menschensiedlung. Vor einem Haus (so nennen die Menschen ihre Ställe) halten wir noch einmal an. Frauchen strahlt ein Gefühl von zu Hause aus. Da wohnen unsere beiden Menschen wohl. Sie verschwinden nacheinander im Haus. Fákur beobachtet angestrengt das Ding, das im Garten herumfährt.

Weitergeht es, an fremden Pferden vorbei, durch Ortschaften, lästigerweise über ganz viele Teerstraßen. Und Fákur schickt mich ständig vor, nur auf Töltwegen darf ich mich hinter ihm einreihen. Das ist echt anstrengend. Dafür ist Frauchen stolz auf mich und lobt mich für meinen Mut. Sie sagt, ich bin ihr kleiner Held.

Trotzdem bin ich froh, als wir endlich wieder auf einen bekannten Weg stoßen, der uns sagt: Jetzt sind wir bald zu Hause.

… aber heute, heute wird es nur ein Spaziergang. Da bin ich froh – und Fákur auch.

Slettir vom Hochwaldhof




04. August 2014, 21:45

Einrenkungen und Verrenkungen

Frauchen hat wohl beschlossen Zusammenfassungen zu schreiben. Ts, ts, ts.

Und anscheinend ist sie auch zu dem Schluss gekommen, dass wir beide total krumm und schief sind. Ihr Gefühl würde ihr das sagen. Erstaunlich genug, dass sie das überhaupt bemerkt, so abgelenkt wie sie in letzter Zeit oft war.
Auf jeden Fall geht sie zwei Tage lang etwas steif und dann kommt die nette Frau, die sie Chiropraktikerin nennen und die laut Fákur so gut massieren kann, – dieses Mal ohne ihre schwarze Box, aber wie immer ziemlich zielstrebig. Ich finde es einfach nur lästig, still stehen zu müssen, während sie meine Blockaden beseitigt. Allerdings fühle ich mich danach besser, wenn auch müde und geschafft.

Kurz darauf kommt die andere blonde Frau, die zwar auch nett ist, aber immer so anstrengende Dinge verlangt. Mit den Hinterbeinen arbeiten, zum Beispiel. Wo es doch viel bequemer mit den Vorderbeinen ist. Wenn ich Frauchen vielleicht mit meinem Hinterteil beiseiteschiebe … und ihr auf den Fuß trete? Aber sie bleibt hartnäckig und gut vor allem gut gelaunt. Mist.

Ein paar Tage später versuche ich es mit rückwärts, während Fákur mit Herrchen einfach nur spazieren gehen darf. Geht aber leider auch auf die Hinterhand und schließlich schafft es Frauchen trotzdem mich vorwärts zu bewegen und die Hinterbeine einzusetzen. Wirklich anstrengend mit ihr.

Ich persönlich benutze ja meine Hinterhufe am liebsten, um mich hinter den Ohren zu kratzen. Naja, und eben weil ich ein Vierbeiner bin und auf zwei Beinen nicht stehen kann.

Slettir vom Hochwaldhof




14. Juli 2014, 22:50

Seltsame Begegnungen

Ich habe schon lange nichts mehr von mir hören lassen (Frauchen ist einfach zu faul, für mich zu schreiben und schiebt das auf ihre sogenannte Arbeit).

Herrchen und Frauchen waren wieder im Land unserer Ahnen. Man merkt das daran, dass sie mit viel Energie und Ehrgeiz an unserem Tölt arbeiten nachdem sie tagelang nicht da waren. Das hat aber auch zur Folge, dass Frauchen wieder mit sich hadert. Oder mit mir. Ich weiß das nicht so genau, weil das ist in diesen Momenten für mich das Gleiche. Fákur nimmt das immer viel gelassener als ich. Seine Ruhe hätte ich gerne.

Seltsame Dinge begegnen uns in Wald und Flur.

Einmal liegt ein Mensch neben dem Weg. Daneben ein Gebilde, das Frauchen einen Rucksack nennt. Ob der tot ist? Nein, er bewegt sich. Huch. Herrchen und Frauchen sprechen mit ihm, ziemlich lange sogar, also scheint er nicht gefährlich zu sein. Wie beruhigend.

Und dann gestern, es hat auch noch geregnet, seltsame Gestalten und Dinge am Wegesrand. Und das auch noch kurz vor zu Hause. Da will ich nicht vorbei gehen. Nein, nein, nein. Zumindest nicht, wenn ich das Ding nicht genauer betrachten kann. Frauchen hat ein Einsehen mit mir, steigt ab und führt mich hin. Naja, es ist nur eine Jacke und ein Mütze auf einem Stock. Frauchen nennt es eine Vogelscheuche, aber ich verstehe nicht, warum die Menschen die Kleidung, die sie doch brauchen, einfach so in der Landschaft zurücklassen.

Übrigens freue ich mich sehr, dass Fákur und ich jetzt wieder dick befreundet sind. Herrchen und Frauchen wissen zwar ganz gut, wo meine Lieblingskraulstellen sind. Aber Fákur kann es einfach besser.

Slettir vom Hochwaldhof




15. Januar 2014, 18:13

Verrückter Spaziergang

Frauchen weckt mich aus meinen Nachmittagsschläfchen, hält sich nicht lange mit Putzen auf. Dafür bewaffnet sie sich heute mit Gerte, bevor sie mit mir in den Wald stürmt. Hang rauf, Hang runter und wieder runter und rauf. Dann folgt ein wilder Slalom durch die Bäume. Ich glaube jetzt dreht sie durch.

Naja, auf dem Weg angekommen wird sie etwas normaler. Außer daß heute nix mit hinterher schleichen ist, weil sie mit der Gerte wedelt, sobald ich ihrer Meinung nach zu langsam laufe.

Zu guter Letzt gibt es heute noch nicht einmal Bananen-Apfel-Brei, sondern Äpfel und Möhren in Stücken und einen Versuch, mir das Mineralfutter so unter zu schieben. Das allerdings klappt so nicht. Das zeige ich ihr deutlich, indem ich gegen die Schüssel trete. Leider bringe ich mich damit um die Semmel. Zumindest bekomme ich keine nachgereicht. Mist.

Slettir vom Hochwaldhof




01. Januar 2014, 18:24

Zum neuen Jahr

Hallo Ihr Lieben

Letzte Nacht war es wieder so weit - die Menschen haben bunte Lichter in den Himmel geschickt. Herrchen und Frauchen sind heute etwas müde und nicht ganz so fit gewesen, als sie mit uns spazieren gegangen sind.

Das heißt für Fákur und mich Euch allen in unserer Muttersprache ein gutes, neues Jahr zu wünschen:

Gott og farsælt komandi ár!

Mein guter Vorsatz ist: Wieder mehr zu bloggen, endlich taktklar Tölten lernen und immer lieb zu Frauchen sein (wenn sie es verdient hat).

Euer Slettir

Slettir vom Hochwaldhof




06. Oktober 2013, 21:32

Frauchen macht Kunststücke

Frauchen ist manchmal echt seltsam: An Tagen an denen kein Wind ist, ist sie durch den Wind. An Tagen an denen es viel Wind gibt, ist sie cool – außer dass sie sich darüber aufregt, dass ich am steilsten Hügel bergab zum Pinkeln stehen bleibe. Wenn ich aber doch muss. Sie nimmt auch keine Rücksicht auf mich, wenn SIE muss …

Aber heute hat sie echt den Vogel abgeschossen. Erst guckt sie zu, wie unsere Stallchefin etwas unglücklich im Galopp von Bulli absteigt. Anschließend überlegt sie sich, dass sie irgendetwas ähnliches vorführen muss.

Also versucht sie mich mal wieder ohne Sattel zu besteigen. Normalerweise schafft sie das auch irgendwie. Ich versuche, sie auch darauf hinzuweisen, dass sie es von der falschen Seite versucht. So kann sie sich doch gar nicht vernünftig an meiner Mähne festhalten. Na gut, wenn sie meint. Dann gibt sie mir auch noch Signale zum Losgehen, obwohl sie noch gar nicht auf mir sitzt. Und schwupps, liegt sie vor mir auf dem Reitplatz. Ich würde mal sagen, selbst schuld.

Ein bisschen leid tut sie mir jetzt doch. Sie scheint sich bei diesem Stunt weh getan zu haben und sitzt wie ein Häufchen Elend vor mir auf dem Boden und jammert. Zum Trost schlecke ich ihr die Hand ab: Komm, Frauchen, steh wieder auf! Nach einer Weile steht sie auf, geht etwas krumm mit mir zum Stall zurück – und ich bin froh, dass nix weiter passiert ist.

Slettir vom Hochwaldhof




16. September 2013, 19:59

Von Ungeheuern

Es trug sich bereits am Freitag zu, also an Frauchens Geburtstag:

Mein Frauchen freut sich also auf einen kurzen, entspannten Geburtstagsausritt. Ich frage mich, ob sie das schlafende Ungeheuer schon bemerkt hat. Anscheinend nicht, denn Herrchen und Frauchen schlagen unbesorgt den Weg Richtung Wald ein. Bzw. sie wollen diesen Weg einschlagen. Fákur und ich aber nicht. Schließlich lauert da das Ungeheuer. Sie probieren es noch einmal. Nein, Frauchen, ich gehe da nicht vorbei. Sie steigt ab und redet auf mich ein. Das sei doch nur ein Bagger. Ist mir aber eigentlich egal, wie das Ungeheuer heißt. Monster bleibt Monster.

Fákur sieht das genauso wie ich. Aber Herrchen und Frauchen bleiben hartnäckig. Nachdem sich das Ungeheuer nicht bewegt, lassen wir uns doch irgendwann überzeugen, daran vorbeizugehen. Aber ich lasse es nicht aus den Augen, so lange ich kann.

Auf dem Rückweg schläft das Monster immer noch. Von dieser Seite wirkt es auch gar nicht so bedrohlich. Herrchen tritt mit dem Fuß gegen das, was Frauchen die Schaufel nennt. Das Ungeheuer rührt sich nicht. Vielleicht ist es ja tot?

Am Ende sind Fákur und ich froh, dass wir heil wieder im Stall stehen und der Zaun zwischen uns und dem unheimlichen Wesen ist. Irgendwann später verschwindet es auch wieder. Es war also doch nicht tot, sondern hat nur geschlafen. Herrchen und Frauchen sind ganz schön mutig!

Wenn Frauchen beim Reitkurs am Wochenende dann noch etwas entspannter gewesen wäre, wäre das auch super gewesen. Aber man kann halt nicht alles haben …

Slettir vom Hochwaldhof




07. September 2013, 20:18

Bin noch da

Es gab Beschwerden, dass ich schon so lange nichts mehr geschrieben habe. Dabei ist so einiges bei uns passiert:

Amigo, Mitglied unserer Rentnergruppe, ging es schon seit dem Winter nicht mehr so richtig gut. Im Juni ist er für immer von uns gegangen. Kurz darauf zogen Cents und die junge Annie aus dem Stall aus.

Dafür ist Milo, ein grauer Pole oder so, der eigentlich Senat heiß, bei uns eingezogen. Am Anfang war der junge Mann ganz schön anhänglich, wenn ein Mensch auf die Koppel kam. Inzwischen geht's.

Dann ist auch der Spanier, der lange einzeln stehen musste, in die Herde gekommen und mischt jetzt die Rangordnung auf. Was nervt ist, dass er versucht, alle zu besteigen. Hallo? - Ich bin ein Wallach, keine Stute!

Gestern ist noch so ein Warmblut im hinteren Unterstand eingezogen. Mal sehen, ob der auch bleibt. Und wenn ja, wie der so drauf ist .​.​.

Slettir vom Hochwaldhof




09. Juni 2013, 17:27

Unwetter

Ob Frauchen und Herrchen das ernst meinen? Es ist doch eindeutig, dass sich da etwas zusammenbraut. Gut, gestern hat es auch die ganze Zeit gedonnert. Aber heute liegt etwas anderes in der Luft. Na gut, dann gehe ich halt brav, aber demonstrativ langsam mit.

Sie satteln uns tatsächlich und machen sich auf den Weg. Ob das gut geht?
Am Waldhaus fängt es an zu regnen. Und es regnet immer mehr und mehr. Außerdem donnert es ganz schön heftig. Ab und zu zucke ich vorsichtshalber mit den Ohren, aber Frauchen und Herrchen bleiben cool. Dann fängt es auch noch an zu hageln. Na toll, jetzt haben wir tatsächlich ein hübsches Unwetter! Ganz ehrlich, das nervt jetzt schon. Frauchen und Herrchen auch. Kann daran liegen, dass die beiden nicht so wetterfest sind wie wir Islandpferde. Sie steigen ab und führen uns. Auch gut.

Das Stück durch den Wald hat sich in einen Bach verwandelt. Am Ende sind wir vier nass und glücklich endlich zurück am Stall zu sein. Und Frauchen hat noch nicht einmal ihre gute Laune verloren. Das finde ich gut. Mit denen kann man echt etwas erleben.

Slettir vom Hochwaldhof




04. Juni 2013, 22:52

Wo ist die Party?

Die Menschen sitzen schon ewig draußen vor dem Stall herum, sogar die Versorger vom Nachbarstall. Fákurs und meine Menschen waren zwischendurch weg, sind aber auch wieder da. Da liegt etwas in der Luft.

Der hintere Unterstand ist abgesperrt, aber die Tür steht offen. Das ist alles sehr seltsam. Ab und zu rennen die Menschen herum wie eine aufgescheuchte Herde.

Und dann ist er da. Läuft schnorchelnd im hinteren Unterstand herum. Da muss ich doch gleich mal nachsehen, was da los ist. Die Menschen inklusive meinen stehen herum und gucken auch. Hallo, ist da eine Party? Ein Party für ein fremdes Pferd etwa?
Der Fremde ist aufgeregt und macht einen auf großen Macho, aber keinen richtigen Versuch Kontakt aufzunehmen. Werano kommt kurz dazu, verschwindet aber gleich wieder, weil ihn die Mücken nerven. Skippy und Charly statten der Party auch nur eine Stippvisite ab. Naja, die sind echt keine große Unterstützung. Dann muss ich halt alleine mit feiern. Das kleine rothaarige Frauchen von nebenan lässt mich Prickelwasser probieren. Hm, lecker, mehr bitte. Leider gibt sie mir nicht mehr.

Blöd, dann gehe ich nochmal nach dem Fremden sehen. Mal sehen wie lange der vorhat zu bleiben …

Slettir vom Hochwaldhof



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Die Geschichten sind teilweise frei nacherzählt. Ähnlichkeiten mit lebenden Personen sind rein zufällig.