Hier erscheinen im Wechsel neue Kurzgeschichten von mir:        

 

Eine Nacht mit Mona

 

Ich ertappe mich dabei, dass ich sie anstarre. Wie sie dort drüben an der Hotelbar sitzt, die Beine übereinandergeschlagen, eine Zigarre rauchend. Ihre Haare fallen in Wellen auf ihre Schultern, schimmern im gedämpften Licht. Erinnern mich an polierten Bernstein und eine verliebte Reise nach Dänemark.

 

„… Was meinst du, Max?“

 

Mein Geschäftspartner reißt mich aus meinen Gedanken. Er und unser potentieller Großauftrag paffen ebenfalls Zigarre, während ich Zigaretten in Kette rauche und zu viel Rotwein trinke. Die Flasche ist schon wieder leer. Mein Blick wandert erneut zu ihr.  Sie zieht an ihrer Zigarre, dann sieht sie zu uns herüber. Sie schenkt mir einkleines Lächeln und wendet sich wieder ihrer Begleitung zu.

 

„Max?“

 

Ich zucke mit den Schultern, entschuldige mich und verschwinde auf die Toilette.

 

Auf dem Rückweg stoße ich fast mit ihr zusammen. Unsere Arme berühren sich kurz. Ich kann ihr Parfüm riechen. Jasmin Noir. Ich erinnere mich daran, wie ein Flacon vor meinen Füßen zerbarst und ich kurz darauf meine Sachen packen musste.

 

Ich sehe ihr nach. Sehnsüchtig. Den Duft ihres Parfüms immernoch in der Nase. Stelle mir vor, wie sich ihr Körper anfühlt. Warme, weiche Haut unter meinen Händen. Ihre Beine um mich geschlungen. Aber ich vermute, es wird in dieser Nacht, wie so oft in letzter Zeit, auf Handbetrieb hinauslaufen.

 

Ich habe genug von Smalltalk und Leuten Honig ums Maul schmieren. Außerdem ist sie weg und der Wein steigt mir zu Kopf. Ich schiebe die Kopfschmerzen vor, die ich morgen sicher haben werde.

 

Die Zimmertür fällt hinter mir ins Schloss. Ich lehne mich dagegen, bleibe eine Weile im Dunkeln stehen, denke an zu Hause, die Kinder. Verwerfe diese Gedanken. Denke an sie, stelle mir vor, sie wäre mit mir aufs Zimmer gegangen.

Papperlapapp. Ich stecke die Zimmerkarte in den Schlitz und das Licht geht an. Sakko und Krawatte fliegen in die Ecke. Gehe ins Bad, spritze mir kaltes Wasser ins Gesicht. Ich hätte gerne noch einen Wein und eine Zigarette, oder …

 

Es klopft an der Tür. Mein Partner will sich wahrscheinlichüber mein unmögliches Verhalten heute Abend beschweren. Ich stelle mich taub. Aber der Klopfer ist hartnäckig. Genervt öffne ich die Tür. Das Was-willst-du bleibt mir im Hals stecken, stattdessen öffne ich nur sinnlos den Mund.

 

„Hi. Ich bin Mona“, sagt sie. In der einen Hand hat sie eine Flasche Rotwein, in der anderen zwei Gläser. Sie lächelt. „Darf ich reinkommen?“

Ich mache ihr den Weg frei und versuche meine Sprache wiederzufinden. Es gelingt mir nicht.

Sie stellt die Flasche und die Gläser auf das kleine Tischchen.

„Wein?“, fragt sie, „oder …“

Ihre grünen Augen funkeln.

 

Dann sind meine Lippen auf ihren, ihre Zunge in meinem Mund. Meine Hände auf ihrem Po, bevor sie zur Bluse wandern, um sie aufzuknöpfen. Ihre Hände drängen in meine Hose, mein Hemd ist ihr egal. Halb ausgezogen landen wi rauf dem Bett. Sie umschlingt mich mit ihren Beinen.

 

„Bist du ein Traum, Mona?“, frage ich sie später, als wir zusammen mit einem Glas Wein auf dem kleinen Balkon stehen und rauchen.

Sie kichert und schmiegt sich an mich. Wie früher auf verliebten Reisen nach Dänemark.

„Du fühlst dich gut an, Mona.“

„Du dich auch, Max.“

„Ich sehne mich nach zu Hause.“

„Dann komm heim.“

 

 

© Sabine Barnickel